Interview mit Dorian Xantos

In Fancynien finden derzeit Umfragen und Interviews zum Leben von jungen Menschen statt. Dorian Xantos lebt in Draconisdorf und ist ein Bursche von 16 Jahren, der noch in die Reifeschule geht. Ein Interview von ihm zubekommen, war schwierig, da er sehr zurückgezogen lebt, aber dann hat er sich doch öffnen können.

Wie würdest du dein Leben bisher beschreiben?

„Mein Leben verläuft stinknormal. So normal, wie das Leben sein kann. Ich bin als Einzelkind großgezogen worden, lebe zwar bei meinen Eltern und gehe auf eine Schule, aber da gibt es nichts, was ich Wichtiges über mein Leben erzählen könnte.“

Wie würdest du dich als Person beschreiben? Was siehst du, wenn du in den Spiegel schaust?

„Ich sehe eine traurige Gestalt. Der Kerl ist ein Häufchen Asche, eingestaubt, grau und schwer, aber gleichzeitig irgendwie zerstreut. Das äußere Erscheinungsbild ist ihm momentan völlig schnuppe. Ich weiß, dass ich seelische Probleme habe, seit dem Brand in meinem Elternhaus. Seither habe ich auch den Kontakt zu meinen Eltern verloren. Wie würde ich mich noch beschreiben? Hm. Ich denke, ich bin kein Mensch, den man mit auf eine Feier nehmen würde. Ich denke, ich bin eine Person, die von anderen nicht beachtet wird.“

In deinem Elternhaus gab es einen Brandunfall. Wie gehst du heute damit um?

Dorian verzieht sein Gesicht, kneift die Augen zusammen. Dann fährt er mit seinen Fingern durch das Haar. „Der Brand beschäftigt mich, um ehrlich zu sein, schon sehr stark. Ich träume davon und mir hängt das alles noch nach.“ Dann macht er eine Pause, in der er buchstäblich schwer schlucken muss. „Ich mag aber nicht darüber reden. Bin froh, wenn man mich mit dem Thema in Ruhe lässt. Außerdem bin ich mehr der Typ, der solche Dinge mit sich selbst ausmacht.“

Nur noch eine Frage, Dorian, bitte. Wie viel hast du vom Brand mitbekommen?

Dorian grummelt, aber antwortet dann doch: „Meine Erinnerungen sind bruchstückhaft. Ich erinnere mich an die Flammen, den Rauch und dass ich anfangs gar nicht daran gedacht habe, dass es brennen könnte. Es roch angebrannt, aber ich dachte im ersten Moment an verbranntes Essen in der Küche. Die Flammen versperrten mir den Weg. Ich konnte kaum atmen und hörte von draußen meine Mamyu rufen. Das Feuer war aber schon überall, sodass ich die Orientierung verloren habe. Irgendwann habe ich mein Bewusstsein verloren. Wie ich rausgekommen bin, weiß ich nicht.“

Danke, dass du uns das erzählst. Nächste Frage: Glaubst du an Fabelwesen und Verwunschenes?

Dorian wirkt verwundert und braucht einen Moment, bis er antwortet. „Nein, daran glaube ich nicht. Man nennt sie ja nicht umsonst Fabelwesen. Nein, also… nein, wirklich nicht.“

Wünschst du dir manchmal, dass du einfach auf einem Drachen davonfliegen könntest? Das wäre doch toll, wenn es so wäre, oder?

Dorian grinst etwas. „Was für eine fantasievolle Frage. Spannende Vorstellung, aber wie gesagt, Fabelwesen, Drachen und Ähnliches gibt es nicht. Sicher wäre es aber interessant die Welt einmal von oben zu betrachten und seinen Sorgen einfach davonfliegen zu können.“

Gibt es eine Person, die dir momentan nicht aus dem Kopf geht?

„Da gibt es tatsächlich jemanden. Erst kürzlich bin ich durch einen komischen Zufall einem Mädchen begegnet. Auch wenn ich sie nur einmal gesehen habe und wir uns nur kurz unterhalten hatten, hatte ich das Gefühl, als würden wir uns kennen. Da ist etwas, dass ich nicht greifen kann. In ihrer Gegenwart habe ich mich sehr wohl gefühlt und erstaunlicherweise konnte ich ihr Dinge sagen, die ich sonst niemandem erzähle. Verrückt, oder? Irgendwie hoffe ich, dass wir uns wiedersehen.“

Dorian hat auf uns besonders zurückhaltend gewirkt. Er schien jedoch sehr nachdenklich. Durch seine Vergangenheit hat er einiges aufzuarbeiten. Das Mädchen, dem er begegnet ist, scheint jugendliche Gefühle in ihm zu wecken? Wer weiß? Wir wünschen ihm jedenfalls, dass er dieses Mädchen wiederfindet und beide herausfinden können, ob ihr Schicksal miteinander verwoben sein könnte.

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